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Mit großem Engagement setzen sich die Hochschulen in Deutschland mit den Herausforderungen der Digitalisierung auseinander. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung digitaler Kompetenzen und den Einzug innovativer Inhalte in die Lehre. Auch die Hochschulen selbst können für Lehre und Forschung dringend mehr Know-how auf diesem Gebiet gebrauchen. Der Verband der Ingenieure für Kommunikation (IfKom. e. V.) fordert die für den Bildungsbereich zuständigen Politiker auf, die Hochschulen stärker als bisher in diesem Bemühen zu unterstützen.

Aus Sicht der IfKom ragen drei Handlungsfelder besonders heraus:

Anpassung der Curricula auf die Erfordernisse der Arbeitswelt von morgen:

Studiengänge wie beispielsweise Cybersicherheit, Medieninformatik oder Data Science orientieren sich an den Herausforderungen der digitalen Arbeitswelt. Nach Auffassung des Ingenieurverbandes IfKom müssen aber auch konventionelle und bereits akkreditierte Studiengänge ohne zu großen bürokratischen Aufwand auf ihre Aktualität hin überprüft und modernisiert werden können. Die Inhalte müssen sich, insbesondere in den technisch ausgerichteten Fachbereichen, noch stärker an dem orientieren, was in der Wirtschaft nachgefragt wird. Gleichzeitig muss aber auch auf eine ausreichende fachbezogene Grundlagen-Bildung zumindest zu Beginn eines Bachelor-Studienganges geachtet werden. Studiengänge mit sehr hohem Spezialisierungsgrad über die gesamte Studiendauer bieten eine eher geringere Bandbreite von Berufsmöglichkeiten. Ziel muss es sein, den Studierenden später die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bieten.

Anpassung der Methoden und Studienformen

Die Digitalisierung bietet viele Chancen, ein Studium zu absolvieren. Volle Hörsäle können in den Fällen vermieden werden, in denen zumindest für einen passenden Teil der Studieninhalte moderne Methoden wie Online-Plattformen und MOOCs angeboten werden. Beispielsweise haben die Hochschulen in Bayern ein E-Learning-Angebot entwickelt, das für einige Themen sogar Außenstehenden zugänglich ist. Die „Virtuelle Hochschule Bayern“ sieht dieses Angebot auch als Möglichkeit der Weiterbildung an. Nach Meinung der IfKom sind solche Methoden stärker zu fördern. Insbesondere müssen die Hochschulen genügend qualifiziertes Personal erhalten, um derartige Studienformate entwickeln und anbieten zu können.

Stärkung der digitalen Kompetenzen beim Hochschulpersonal

Sowohl die Modernisierung von Curricula als auch die Entwicklung von digital-basierten Studienformaten erfordern ausreichend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Hochschulen. Hier ist aus Sicht der IfKom verstärkt anzusetzen, um die Hebelwirkung auf den Studienbetrieb zu nutzen. Während die Anforderungen im Umgang mit digitalen Methoden rasant wachsen, trifft der digitale Wandel in der Wissenschaft nach Aussage des Rates für Informationsinfrastrukturen auf vergleichsweise statische institutionelle Randbedingungen. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung dieses von der gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern eingesetzten Gremiums sieht wesentlichen Handlungsbedarf in der Qualifizierung der Wissenschaft im Hinblick auf digitale Kompetenzen. Der Rat fordert u. a. eine konkurrenzfähige Ausgestaltung der öffentlich-rechtlichen Beschäftigungsverhältnisse sowie umfangreiche Qualifizierungsmaßnahmen im wissenschaftlichen Bereich.

Dazu stellen die IfKom fest: Wissenschaft und Politik müssen in gemeinsamer Verantwortung die Herausforderungen der Digitalisierung meistern. Den Hochschulen muss diese Aufgabe aber auch ermöglicht werden. Die IfKom fordern daher die Politik auf, Bürokratie abzubauen, mehr Flexibilität in die Entgeltsysteme und Beschäftigungsverhältnisse im Wissenschaftsbereich einzuführen, auch um u. a. die Abwanderung von qualifizierten Fachkräften in das Ausland zu minimieren. Zudem müssen neben der erforderlichen Infrastruktur auch die Qualifikationen und die Ausstattung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den geänderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Digitalisierung ist nicht nur ein technisches Thema. Es greift in alle Lebensbereiche ein. Den Hochschulen in Deutschland muss aus Sicht der IfKom noch besser ermöglicht werden, diese Herausforderungen zu meistern. Dazu benötigen sie die Unterstützung der Politik.