ZBI LOGO 1200 tp

zbi 13 2 20 prvwAnlässlich des Parlamentarischen Abends der Bundesingenieurkammer in Berlin warnte Kammerpräsident Hans-Ullrich Kammeyer in seiner Grußadresse eindringlich vor Verzögerungen beim Bau von dringend benötigtem Wohnraum sowie bei Ausbau und Ertüchtigung der Infrastruktur: „Gerade erst haben der Bund und die Deutsche Bahn angekündigt, das Schienennetz massiv stärken zu wollen. Auch die neuesten Daten vom Statistischen Bundesamt zeigen, dass 2019 die Zahl der erteilten Baugenehmigungen erneut zugenommen hat. Viele Bauprojekte werden allerdings gar nicht realisiert oder erst sehr viel später fertiggestellt. Einer der Hauptgründe hierfür ist der weiter zunehmende Fachkräftemangel.“

ZBI-Präsident Wilfried Grunau und Vizepräsidentin Ute Zeller nutzten die Veranstaltung in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft direkt vis-à-vis dem Reichstagsgebäude zum Austausch mit Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, der ehemaligen Bundesbauministerin Barbara Hendricks, sowie den Bundestagsabgeordneten Mathias Stein (SPD) und Hagen Reinhold (FDP). Große Übereinstimmung herrschte beim bereits angesprochenen Thema Fachkräftemangel. Hier gebe es definitiv sehr dringenden Handlungsbedarf, waren sich alle einig. Lediglich in den Details variierten die Auffassungen. Staatssekretärin Bohle betonte, dass für die Bundesregierung die Ausschöpfung inländischer und europäischer Fachkräftepotenziale im Vordergrund stehe. Gleichwohl sei die Bauwirtschaft aufgrund des hohen Bedarfs auf Fachkräfte aus Drittstaaten angewiesen.

Dass Ingenieurinnen und Ingenieure eine große Verantwortung tragen, wurde ebenfalls allseits anerkannt. Die Auskömmlichkeit der Honorare als Zeichen der Wertschätzung von Ingenieurleistung war deshalb auch unbestritten, denn „die Ingenieurinnen und Ingenieure sind das Herz und die tragenden Säulen unserer Wirtschaft“, so die Staatssekretärin Bohle. Besonders hob sie in diesem Kontext die Auswirkungen des EuGH-Urteils zu den Mindest- und Höchstsätzen der HOAI hervor.

Die weiteren Gespräche der beiden ZBI-Vertreter mit den Parlamentariern bezogen sich u.a. auf den Wohnungsbau, dies auch mit Blick auf die Anforderungen des Klimapakets. Frau Bohle machte deutlich, dass sie dies als wichtige Herausforderung für das von ihr vertretene Ressort sehe. Eine Aufgabe, die nur im Verbund mit den übrigen Ministerien anzugehen sei.

Gesprochen wurde auch über die Planungsbeschleunigung. Der Bundestagsabgeordnete und Verkehrsexperte Mathias Stein konnte dazu ganz aktuell von den Diskussionen im Verkehrsausschuss berichten. Grundsätzlich müssen nach Auffassung des ZBI mit diesem Gesetzespaket die Rahmenbedingungen für die notwendige weitere Verstetigung eines Investitionshochlaufs verbessert werden. Im Fokus steht dabei unter anderem auch die notwendige Verschlankung der Planung für Ersatzneubauten bei Straße und Schiene.

Und natürlich standen auch die digitalen Geschäftsprozesse in der Wertschöpfungskette Bau und damit die Einführung von BIM auf der Gesprächsliste von Wilfried Grunau und Ute Zeller. Die Abgeordneten plädierten hier für offene, herstellerneutrale Standards. Der Bau-Experte der FDP Hagen Reinhold hob in diesem Kontext übrigens hervor, dass Deutschland endlich ein Digitalministerium braucht.