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ZBI-Präsident Dipl.-Ing. Wilfried Grunau

ZBI: Open Data muss zur digitalen Infrastruktur Deutschlands werden

Posted on 8. September 2026

Spitzenverband fordert verlässliche, interoperable und dauerhaft nutzbare Daten

Der Zentralverband der Ingenieurvereine (ZBI) fordert, den Open-Data-Rahmen in Deutschland konsequent weiterzuentwickeln. Öffentlich finanzierte Daten sollten grundsätzlich offen und möglichst kostenfrei nutzbar sein. Entscheidend sei jedoch nicht allein, wie viele Datensätze veröffentlicht werden, sondern ob diese auffindbar, aktuell, qualitativ belastbar, maschinenlesbar und interoperabel zur Verfügung stehen. In seiner Stellungnahme zur Online-Konsultation des Bundesministeriums für Digitalisierung und Staatsmodernisierung (BMDS) betont der ZBI, dass Open Data künftig als Teil der digitalen Infrastruktur Deutschlands verstanden werden müsse. Gerade Daten des gebauten Raums und der technischen Infrastruktur besäßen eine hohe strategische Bedeutung für Planung, Bau, Betrieb, Erhaltung, Klimaanpassung und Krisenvorsorge.

„Open Data darf nicht beim Download enden. Wir brauchen eine verlässliche und interoperable Datenbasis, auf der Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Ingenieurpraxis gemeinsam aufbauen können“, erklärt ZBI-Präsident Dipl.-Ing. Wilfried Grunau. Offene Daten seien längst mehr als ein Instrument der Verwaltungsdigitalisierung: „Sie sind Teil der digitalen Infrastruktur Deutschlands und eine Voraussetzung für Innovation und eine leistungsfähige technische Daseinsvorsorge.“

Digitales Gedächtnis des gebauten Raums

Besondere Bedeutung misst der ZBI einem „digitalen Gedächtnis des gebauten Raums“ bei. Daten, die bei Vermessung, Planung und Bau entstehen, sollten, soweit keine Schutzinteressen entgegenstehen, über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks nutzbar bleiben. Open Data, Building Information Modeling (BIM) und digitale Bestandsdokumentation müssten deshalb stärker zusammengedacht werden. Ein solches digitales Gedächtnis könne dazu beitragen, den erheblichen Investitions- und Erhaltungsbedarf bei der öffentlichen Infrastruktur besser zu bewältigen. Hochwertige und dauerhaft verfügbare Daten ermöglichten es, Prioritäten besser zu bestimmen, Maßnahmen effizienter zu planen und Bauwerke und Infrastrukturen nachhaltiger zu betreiben.

Qualität statt bloßer Datensatz-Zählung

Der ZBI plädiert zugleich für einen grundlegenden Perspektivwechsel beim Monitoring. Die Zahl veröffentlichter Datensätze sei kein ausreichender Maßstab für den Erfolg einer Open-Data-Strategie. Entscheidend seien vielmehr Qualität, Aktualität, Metadaten, Interoperabilität, dauerhafte Verfügbarkeit und die tatsächliche Weiterverwendung der Daten.

Der neue Open-Data-Fahrplan sollte deshalb verbindliche qualitative und quantitative Indikatoren enthalten. Auch die tatsächliche Wirkung müsse sichtbar werden: Welche neuen Anwendungen entstehen? Welche wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Mehrwerte werden geschaffen? Und in welchen Bereichen können Verwaltungs-, Planungs- oder Betriebsprozesse verbessert werden?

Offenheit und Sicherheit zusammen denken

Gleichzeitig warnt der ZBI vor pauschalen Lösungen beim Umgang mit sicherheitsrelevanten Daten. Insbesondere bei kritischen Infrastrukturen müsse zwischen unterschiedlichen Sicherheitsrisiken, Detailgraden und Nutzungskontexten differenziert werden.

Der Verband spricht sich daher für abgestufte Zugangsmodelle aus. Informationen könnten je nach Risikobewertung uneingeschränkt veröffentlicht, in ihrem Detailgrad reduziert, bestimmten Nutzergruppen zugänglich gemacht oder in begründeten Fällen von einer öffentlichen Bereitstellung ausgenommen werden. „Offenheit und Sicherheit sind kein Widerspruch“, betont Grunau. „Wir brauchen eine risikobasierte Betrachtung statt pauschaler Freigaben oder pauschaler Sperren. Unser Grundsatz lautet deshalb: So viel Offenheit wie möglich – so viel Schutz wie erforderlich.“

Der ZBI sieht Open Data damit als strategische Zukunftsaufgabe: Nicht die bloße Veröffentlichung möglichst vieler Daten ist das Ziel, sondern der Aufbau eines offenen, verlässlichen, interoperablen und dauerhaft nutzbaren Datenökosystems für Deutschland.

Die Stellungnahme im Volltext finden Sie hier.

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